Fairer Wettbewerb statt Paketflut: Warum die EU-Zollreform jetzt entscheidend ist

Fairer Wettbewerb statt Paketflut: Warum die EU-Zollreform jetzt entscheidend ist

Die Einigung auf die Reform des EU-Zollrechts ist ein wichtiges Signal – für unseren Wirtschaftsstandort, für unsere Unternehmen und ganz konkret für den Handel vor Ort. Europa reagiert damit endlich auf ein Problem, das lange unterschätzt wurde: die massive Zunahme von Kleinsendungen aus Drittstaaten und die damit verbundenen Wettbewerbsverzerrungen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Einigung zügig bestätigt wird. Die Richtung stimmt. Entscheidend ist nun die Umsetzung.

Die Paketflut aus Drittstaaten ist längst ein strukturelles Problem

Allein im Jahr 2024 wurden rund 4,6 Milliarden Sendungen mit geringem Warenwert in die EU importiert, 91 Prozent davon aus China. Was auf den ersten Blick nach wachsendem Onlinehandel klingt, hat eine klare Kehrseite. Kontrollen stoßen zunehmend an ihre Grenzen, und immer wieder gelangen Produkte in den Binnenmarkt, die nicht unseren Standards entsprechen.

Das bleibt nicht abstrakt, sondern zeigt ganz konkrete Auswirkungen vor Ort. Im Austausch mit vielen Einzelhändlern, beispielsweise dem Modehaus Frey wurde deutlich, wie stark der Wettbewerbsdruck durch Plattformen wie Shein oder Temu inzwischen ist – insbesondere dann, wenn Regeln umgangen oder Abgaben nicht korrekt erhoben werden. Der Effekt ist eindeutig: Der Wettbewerb gerät aus dem Gleichgewicht, und zwar zulasten derjenigen, die sich an die Regeln halten.

Die Reform bringt einen echten Systemwechsel in der Verantwortung

Genau hier setzt die Reform an – und sie geht einen entscheidenden Schritt weiter als bisher. Künftig gelten E-Commerce-Plattformen als Importeure und tragen damit die volle Verantwortung für die Zollabwicklung, die korrekte Abgabenerhebung sowie die Einhaltung von Produkt- und Sicherheitsstandards. Das ist ein grundlegender Wechsel. Die Verantwortung wird vom Verbraucher auf die Anbieter verlagert.

Verstöße bleiben dabei nicht folgenlos. Geldstrafen von bis zu sechs Prozent des jährlichen Importwerts sind möglich. Bei wiederholten Verstößen droht zudem der Verlust zentraler Erleichterungen wie des „Trust and Check“-Status. In schweren Fällen können sogar weitergehende Maßnahmen bis hin zur Einschränkung des Marktzugangs greifen. Die Botschaft ist klar: Wer Zugang zum europäischen Markt will, muss sich an europäische Regeln halten.

Gleiche Wettbewerbsbedingungen stärken den Handel vor Ort

Neben dieser neuen Haftungslogik werden auch bestehende Schlupflöcher geschlossen. Die bisherige Zollfreigrenze von 150 Euro entfällt, zusätzlich wird eine Bearbeitungsgebühr für Kleinsendungen eingeführt. Damit wird sichergestellt, dass die Kosten für Kontrolle und Überwachung nicht länger einseitig getragen werden, sondern dort anfallen, wo sie entstehen.

Ein weiterer zentraler Baustein der Reform ist die bessere Koordinierung der Behörden. Mit einer neuen EU-Zollbehörde und einer gemeinsamen Datenplattform sollen Warenströme künftig europaweit gebündelt und in Echtzeit überwacht werden. Das Ziel ist eindeutig: gleiche Spielregeln für alle Marktteilnehmer.

Denn der stationäre Handel vor Ort ist weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor. Er schafft Arbeitsplätze, bildet aus und prägt unsere Innenstädte. Wenn dieser Handel strukturell benachteiligt wird, hat das unmittelbare Auswirkungen auf unsere Regionen.

Die Richtung stimmt – jetzt braucht es Tempo

Die Reform ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Fairness im internationalen Wettbewerb. Nun müssen Rat und Europäisches Parlament die Einigung zügig bestätigen, damit sie nach der Veröffentlichung im Amtsblatt in Kraft treten kann. Entscheidend ist, dass die neuen Regeln schnell wirksam werden.

Denn unsere Unternehmen haben Anspruch auf faire Wettbewerbsbedingungen – und genau diese sind die Grundlage für wirtschaftliche Stärke und lebendige Regionen in Europa.